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Ballenberger Jenseitsmedium
Essays

Morgen ist immer noch dein Leben – Halloween Teil III

Ben Ballenberger1. November 20265 Minuten Lesezeit

Am nächsten Morgen liegt ein Plastikarm im nassen Gras.

Leerer Stuhl mit Mantel neben einer lichtdurchfluteten Tür; Schriftzug „Morgen ist immer noch dein Leben – Halloween Teil III“
Die Dekoration verschwindet. Die Frage bleibt.

Du hebst ihn auf. Der Kürbis ist an einer Seite eingesunken. Unter der Hecke steckt ein Bonbonpapier, das sich nicht vom feuchten Blatt lösen will.

Es gibt aufzuräumen.

Du nimmst dem Skelett die Batterien heraus, faltest es zusammen und bringst es in den Keller. Die Verpackung passt nicht mehr richtig. Irgendetwas steht über.

Schließlich geht es.

Auf der Treppe denkst du bereits an die kommende Woche.

Das Leben verlangt keine große Erklärung, um weiterzugehen. Meistens reichen ein paar Aufgaben.

Bald wird vor deiner Tür nichts mehr an Halloween erinnern.

Auch die Gedanken können leiser werden. Die Beschäftigung mit dem Tod. Die Erinnerung an einen Menschen. Vielleicht eine Erfahrung, die dich berührt und verunsichert hat.

Du kannst nicht jeden Morgen mit den letzten Fragen beginnen. Der Kaffee läuft durch. Du findest deine Schlüssel nicht. Jemand wartet auf eine Antwort.

Doch dann gibt es diesen Augenblick, in dem alles erledigt ist.

Du sitzt da und greifst nach dem Telefon, obwohl keine Nachricht gekommen ist.

Diesmal legst du es zurück.

Eine Erfahrung, die offen bleiben darf

Vielleicht hast du einen Jenseitskontakt erlebt, den du noch nicht einordnen kannst.

Dann darf er vorerst genau das bleiben: eine Erfahrung, deren Bedeutung für dich noch offen ist.

Du kannst dich erinnern, prüfen, zweifeln. Du kannst später anders darüber denken. Du musst weder Gewissheit behaupten noch so tun, als hätte dich nichts berührt.

Ein solcher Augenblick macht das Medium nicht zur Autorität über deine Beziehungen, dein Geld oder deine nächsten Entscheidungen.

Am nächsten Morgen ist es immer noch dein Leben.

Dieselben Menschen. Dieselben Schwierigkeiten. Die Nachricht, die du nicht beantworten möchtest. Der Streit, bei dem du deinen eigenen Anteil ziemlich genau kennst.

Vielleicht hättest du gern mit der Erfahrung auch eine Anleitung bekommen.

Stattdessen sitzt du am Küchentisch.

Umgang mit dem Tod: Erinnern ohne Schuld

Auch wenn sich dein Blick auf den Tod verändert, bleibt das Vermissen.

Du möchtest einem Menschen etwas erzählen und musst mit dem Satz irgendwohin. An manchen Tagen weißt du mit erstaunlicher Genauigkeit, was er darauf gesagt hätte. An anderen bleibt es still.

Dann gibt es einen Nachmittag, an dem du lachst. Erst abends fällt dir auf, dass du stundenlang nicht an ihn gedacht hast.

Du hast ihn dadurch nicht weniger geliebt.

Erinnerung verlangt nicht, dass jeder schöne Augenblick mit Schuld bezahlt wird.

Eines Tages schlägst du sein altes Rezeptbuch auf. Neben einer Mengenangabe steht eine Bemerkung, die nur er so formuliert hätte. Du musst lächeln. Dann suchst du die passende Schüssel.

Vielleicht gelingt es. Vielleicht fehlt wieder etwas.

Du kochst trotzdem.

Du darfst Dinge behalten und Dinge weggeben. Geschichten erzählen, über schlechte Angewohnheiten lachen, einen Geburtstag auf deine Weise verbringen.

Du darfst weiterleben, ohne so zu tun, als hätte es diesen Menschen nicht gegeben.

Aufgeschlagenes handschriftliches Rezeptbuch neben einer Rührschüssel, in der eine Hand mit einem Holzlöffel rührt
Vielleicht fehlt wieder etwas. Du kochst trotzdem.

Die Nähe, die heute möglich ist

Am Abend kommt jemand zu Besuch.

Beim Essen erzählt er eine Geschichte, die du schon kennst. Du weißt, an welcher Stelle er abschweifen wird. Du könntest ihn unterbrechen, ihm auf die Sprünge helfen.

Heute lässt du ihn erzählen.

Später räumt ihr gemeinsam ab. Er weiß nicht, wohin eine Schüssel gehört, obwohl er schon oft hier gewesen ist. Du nimmst sie ihm ab und stellst sie in den Schrank.

So sieht dieser Abend aus.

Du kannst ihn nicht festhalten. Auch dann nicht, wenn du inzwischen anders darüber denkst, was nach dem Tod kommen könnte.

Vielleicht fällt es dir gerade deshalb auf: wie viel von der gemeinsamen Zeit du manchmal mit der Sorge verbringst, sie zu verlieren.

Nicht jede Vorsicht entsteht daraus. Manche Grenze brauchst du. Aber von diesem Menschen musst du dich nicht schon jetzt verabschieden.

Er steht vor dir und trocknet einen Teller ab.

Du musst morgen nicht alles verändern.

Vielleicht führst du ein Gespräch, das du bisher nur im Kopf geführt hast. Vielleicht entschuldigst du dich, ohne gleich deine Verteidigung anzuschließen. Vielleicht vereinbarst du den nächsten Besuch, bevor wieder Monate vergehen.

Manches lässt sich nicht nachholen. Du kannst einen versäumten Anruf nicht in die Vergangenheit schicken. Du konntest damals nicht alles wissen, was du heute weißt.

Aber es gibt diesen Abend.

Ihr steht an der Tür. Einer von euch hat die Hand bereits am Griff.

Du bleibst noch einen Augenblick.

Die Hand, die du heute halten kannst, ist heute da.

Der Mensch vor dir wartet auf deine Antwort.

Und dein eigenes Leben braucht mehr als die wiederholte Zusicherung, dass du dich später darum kümmern wirst.

Zwei Menschen halten einander an einer Haustür die Hände
Die Hand, die du heute halten kannst, ist heute da.

Im Keller liegt eine Kiste mit der Aufschrift „Halloween“.

Oben hängt ein feuchtes Geschirrtuch über einem Stuhl. Auf dem Tisch stehen noch zwei Gläser.

Du lässt sie stehen und setzt dich.

Heute war jemand hier, den du liebst.

Du hast zugehört. Ihr habt gegessen. Beim Abschied hast du ihn einen Augenblick länger gehalten.

Jetzt ist es still.

Wenn deine Angst vor dem Tod nicht mehr für dich entscheiden würde – wie würdest du leben?

Ben Ballenberger

Ben Ballenberger

Jenseitsmedium nach englischem Spiritualismus. „Medialität ist nicht, wer ich bin – sie ist, wie ich dir diene.“

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